Erfolgreiche Seminartage bei Sieber Consult zum „Bau-Turbo“ in Lindau am Bodensee26. November und 5. Dezember 2025
Am 26.11.2025 und am 05.12.2025 durften wir in unserem Büro in Lindau am Bodensee zwei intensive Seminartage zum hochaktuellen Thema „Bau-Turbo“ durchführen.
Aufgrund der hohen Nachfrage wurde das Seminar gleich an zwei Terminen angeboten – insgesamt nahmen rund 100 Auftraggeberinnen und Auftraggeber teil. Das große Interesse hat eindrucksvoll gezeigt, wie sehr die neue Gesetzeslage die Kommunen, Planer und Entscheidungsträger derzeit beschäftigt.
Was steckt hinter dem „Bau-Turbo“?
Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung („Bau-Turbo“) am 30.10.2025 reagiert der Gesetzgeber auf die zunehmende Wohnraumknappheit in Deutschland. Ziel ist es, Wohnungsbau zu beschleunigen, Nachverdichtungen zu erleichtern und Planungsaufwand sowie -kosten zu senken.
Kern der Neuregelung ist, dass Kommunen deutlich weitergehende Abweichungen von bestehenden planungsrechtlichen Vorgaben zulassen können – immer unter der Prämisse, dass neuer Wohnraum entsteht.
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick
- § 31 Abs. 3 BauGB: Kommunen können zugunsten des Wohnungsbaus deutlich umfangreicher von Festsetzungen eines Bebauungsplans befreien.
- § 34 Abs. 3b BauGB: Im unbeplanten Innenbereich kann vom bisherigen strengen Einfügungsgebot abgewichen werden.
- § 246e BauGB (befristet bis 31.12.2030): Ermöglicht umfassende Abweichungen vom BauGB und der BauNVO- bei räumlichem Zshg. Und mit naturschutzfachlichem Ausgleich auch im Außenbereich
- § 36a BauGB:Der neue § 36a BauGB stärkt die Planungshoheit der Gemeinden, indem er für ausgewählte Einzelgenehmigungen eine verbindliche kommunale Zustimmung vorsieht. Die Neuregelung zur Zustimmung tritt neben die Regelung zum Einvernehmen in § 36 BauGB; die Anwendungsbereiche der Vorschriften weichen voneinander ab.
Große Chancen – aber auch erhebliche Risiken
Der „Bau-Turbo“ eröffnet Kommunen die Möglichkeit, Wohnbauvorhaben schneller und flexibler umzusetzen. Gleichzeitig birgt das Instrument städtebauliche Risiken:
Einzelgenehmigungen wirken dauerhaft und können – insbesondere im unbeplanten Innenbereich – neue Maßstäbe setzen und langfristig unerwünschte Prägungswirkungen entfalten. Auch Bauwünsche in Ortsrandlagen stellen Kommunen vor schwierige Abwägungsentscheidungen und mögliche Präzedenzfälle.
Hinzu kommt, dass das Gesetz keine konkreten Vorgaben zu Bezahlbarkeit, Qualität oder Nachhaltigkeit des Wohnraums macht. Die Verantwortung für eine zielgerichtete Anwendung liegt damit in hohem Maße bei den Kommunen selbst.
Eindrücke aus den Seminartagen
Diese Spannungsfelder spiegelten sich auch in der heterogenen Stimmungslage während unserer Seminare wider. Unsere Teams aus Recht und Stadtplanung beleuchteten praxisnah die Vorteile, Grenzen und Risiken des Bau-Turbos. Der lebhafte fachliche Austausch, zahlreiche Praxisfragen und haben deutlich gemacht:
- Der Bau-Turbo bewegt die Branche – und verlangt nach fundierten Entscheidungsgrundlagen. -
Unsere Empfehlung
Wir als Sieber Consult raten weder pauschal zur Anwendung des Bau-Turbos noch grundsätzlich davon ab. Entscheidend ist vielmehr, jede Entscheidung fachlich fundiert, nachvollziehbar und strategisch eingebettet zu treffen.
Aus unserer fachlichen Sicht eignen sich hierfür insbesondere:
- städtebauliche Entwicklungskonzepte als transparente Entscheidungsgrundlage
- alternativ spezielle Bau-Turbo-Konzepte mit klar definierten Kriterien und Leitlinien
Beide Ansätze können dazu beitragen, Planungs- und Entscheidungssicherheit für Verwaltung und Gremien zu schaffen und gleichzeitig Chancen zu nutzen, ohne Fehlentwicklungen zu riskieren.
Sie haben Fragen?
Gerne unterstützen wir Sie bei allen Fragen rund um den Bau-Turbo und darüber hinaus.
Kommen Sie einfach auf uns zu – wir freuen uns auf den Austausch.

