Fledermäuse in Kirchen – Kartierungsprojekt im Rahmen des Biodiversitätsprogramms 2030

Projekte im Fokus

Biodiversitätsprogramm 2030 - Kirchenkartierung Fledermäuse

Auftraggeber: Regierung von Schwaben

Beteiligter Fachbereich: Artenschutz

Projektbeginn: 2025


 

Fledermäuse in Kirchen – Kartierungsprojekt im Rahmen des Biodiversitätsprogramms 2030

Kirchen und kirchliche Gebäude bieten häufig ideale Bedingungen für Fledermäuse. Dachstühle, Spalten und Einflugsöffnungen dienen vielen Arten als Quartier – insbesondere während der Fortpflanzungszeit im Sommer. Gleichzeitig stehen viele dieser Gebäude regelmäßig vor Sanierungsmaßnahmen. Um Artenschutz und Bauvorhaben miteinander zu vereinbaren, sind fundierte Kenntnisse über vorhandene Fledermausquartiere entscheidend.

Im Rahmen des Biodiversitätsprogramms 2030 der Regierung von Schwaben führte Sieber Consult eine umfangreiche Kartierung von Fledermäusen in Kirchen durch. Ziel war es, vorhandene Quartiere zu identifizieren, Arten nachzuweisen und eine fachliche Grundlage für zukünftige Schutzmaßnahmen und bauliche Planungen zu schaffen.

 

Umfangreiche Erfassung in drei Landkreisen

Für das Projekt wurden 310 Kirchen, Kapellen und Klöster in den Landkreisen Donau-Ries, Günzburg und Lindau untersucht. Neben Erstbegehungen fanden auch zahlreiche Folgebegehungen statt, um Hinweise auf Fledermäuse zuverlässig zu bestätigen oder genauer zu dokumentieren.

Bei den Begehungen wurden typische Hinweise wie Kotspuren, Fraßreste oder direkte Tierbeobachtungen erfasst. In 270 der untersuchten Gebäude konnten solche Hinweise festgestellt werden – ein deutlicher Hinweis darauf, welche große Bedeutung kirchliche Gebäude als Lebensraum für Fledermäuse haben.

 

Präzise Ausflugszählungen in der Dämmerung

Neben der Kontrolle der Dachräume wurden auch Ausflugszählungen durchgeführt. Dabei wird beobachtet, wie viele Tiere ein Quartier in der Abenddämmerung verlassen.

Insgesamt wurden 75 Ausflugszählungen durchgeführt. Die Erhebungen fanden innerhalb genau definierter Zeitfenster statt, da jede Fledermausart ihre eigenen artspezifischen Ausflugszeiten hat. Nur durch die Berücksichtigung dieser biologischen Rhythmen lassen sich zuverlässige Daten gewinnen. 

Besonders häufig wurden dabei folgende Arten nachgewiesen:

 

  • Langohrfledermäuse
  • Großes Mausohr

Darüber hinaus konnten auch seltener nachgewiesene Arten dokumentiert werden. Durch zusätzliche genetische Untersuchungen wurden unter anderem folgende Arten bestätigt:

  • Graues Langohr
  • Brandtfledermaus
  • Wimperfledermaus
  • Kleine Hufeisennase
  • Rauhautfledermaus

Diese Nachweise liefern wertvolle Erkenntnisse über die regionale Verbreitung der Arten.

 

Hoher Einsatz im Gelände

Die Kartierung erforderte einen erheblichen personellen und zeitlichen Aufwand. Insgesamt waren 12 Fachleute an dem Projekt beteiligt.

Für die Begehungen der Gebäude wurden weit über 450 Stunden im Gelände aufgewendet. Eine einzelne Begehung oder Ausflugszählung dauerte durchschnittlich etwa 1,5 Stunden pro Kirche.

Allein auf die Ausflugszählungen entfielen dabei über 140 Stunden Feldarbeit. 

 

Konkrete Maßnahmen zum Schutz der Quartiere

Die Kartierungen liefern nicht nur Daten, sondern führen auch direkt zu praktischen Artenschutzmaßnahmen. Im Rahmen des Projekts wurden unter anderem folgende Maßnahmen angestoßen oder begleitet:

  • Schaffung oder Wiederherstellung geeigneter Einflugsöffnungen
  • Fachliche Begleitung von Kirchensanierungen
  • Einbau von Marderschutz im Dachbereich
  • Verbesserung von Quartieren bei ungünstiger Dachentlüftung
  • Anpassung der Außenbeleuchtung zur Reduzierung von Störungen

Durch diese Maßnahmen können bestehende Quartiere langfristig erhalten oder sogar verbessert werden.

 

Artenschutz und Bauplanung gemeinsam denken

Kirchliche Gebäude spielen eine wichtige Rolle im Schutz vieler Fledermausarten. Gleichzeitig stehen viele dieser Bauwerke vor energetischen oder baulichen Sanierungen.

Die Kartierung zeigt, wie wichtig eine frühzeitige fachliche Untersuchung ist, um Konflikte zwischen Bauvorhaben und Artenschutz zu vermeiden. Mit fundierten Daten können geeignete Maßnahmen geplant werden, die sowohl den Erhalt der Fledermausquartiere als auch die Nutzung und Sanierung der Gebäude ermöglichen.

Sie haben Fragen?